kalte Nächte

Ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern. Ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern mit meinem Vater zusammen. Ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern mit meinem Vater zusammen, während meine Mutter mir einen Tee macht. Warum macht mir meine Mutter einen Tee? Weil mir dauernd kalt ist in der Nacht. Und das geht so:

Es gibt Männer, die sind abstoßend, und Männer, die sind so wie ich: Äußerst anziehend, und jede Frau möchte nichts Anderes, als mir nahe sein, in meinen Armen liegen, die Welt um sich herum vergessen, und dann, weil das Liegen in einer bestimmten Position auf Dauer unangenehm ist, dreht sich jede Frau eben um. Und dabei zieht besagte jede Frau mir die Decke weg.

Nicht, dass ich da nicht schon Gegenmaßnahmen ergriffen hätte, nur haben mehrere Decken einfach eben den Effekt, dass meine Gefährtin irgendwann unter einem Daunenberg verschwindet, und dann die überzähligen Tuchenten wegstrampelt, weil ihr zu heiß ist. „Ich kann ihnen einen Schlafsack empfehlen“, meint die nette Verkäuferin vom Trachten Gschwandtner, die ja bekanntlich das beste Sortiment an Wanderausrüstung haben von ganz Wien, und ich lege ohne zu zögern ein die Scheine auf den Tisch, als ich der Rechnung ansichtig werde … die ich ohne meine Gefährtin mache: Sie zippt mir den Schlafsack auf, weil sie kuscheln möchte, dreht sich um – und zieht mir die Decke weg. Auch wenn es diesmal ein Schlafsack ist.

„Frau, bitte, so kann das nicht weitergehen!“ „Aber ich liebe dich doch…!“ Ich muss ihr zugutehalten, dass sie tatsächlich keine böse Absichten hat bei dem was sie tut, nur, was bringt mir das, wenn mir saukalt ist?

Mein Vater hat eines Tages eine Idee. Ich lausche gebannt. Und dann gehe ich ins Schlafparadies, und hol mir den ultimativen Pyjama, inklusive etwas, was sie „Schlafschuhe“ nennen, und für Leute gedacht ist, die sich im Schlaf dauernd abdecken. Was es kostet? Liebe Leserin, lieber Leser, das möchtert ich dann doch für mich behalten. Wie meine Gefährtin darauf reagiert? „Den Pyjama“, knurrt sie zärtlich, „den zieh ich dir aus…“

Bin ich also Vater geworden. Kalt ist mir trotzdem in der Nacht. Denn das Zwuckerl liegt zwischen uns, und die Mutter achtet peinlich darauf, dass unser Spross immer gut zugedeckt ist. Ich könnte mir natürlich den Pyjama wieder anziehen, aber jede Nacht Sex mit einer großartigen Frau, das kann es ja wohl auch nicht sein! Also geht der Deckenraub geht munter weiter, und jetzt sind sie zu zweit! Mit einem Krachen verabschieden sich die Dübel, mit denen ich meine Decke an meinem Ende des Bettes an der Mauer angedübelt habe. Gibt es eigentlich irgendeine Form von Endlosdecken, oder so? „Tröste dich“, spricht mir meine Mutter gut zu, „deinem Vater geht es lange Zeit genauso.“ … „Na, deine Frau und den Kind haben doch Decken für sich selber. Was hindert dich denn daran, dir deine eigene wieder zurückzuholen?“

Ein total verdatterter Sohn sitzt da im Wohnzimmer, den Tee in der Hand. Aber dann fällt es mir ein: Selbst, wenn es für mich selber nicht gut ist, aber – wie kann ich denn denen, die ich liebe, auch nur irgendetwas … wegnehmen wollen?