Leute, die mir irgendwann „in real“ begegnen, kommen oft verwundert zu dem Schluss, „he, du bist ja wirklich so.“ Natürlich. Warum sollte es anders sein. Und – wie es ausschaut, war ich es immer schon.

Alleine gegen den Rest der Welt? Kein Problem.

Ich erinner mich noch gut daran: Es ist im Turnsaal meiner Volksschule, eine Theateraufführung, die Schauspieler – damals sicherlich jünger als ich es jetzt bin – spielen Kinder, und uns Kindern macht das Zuschauen bei sowas immer Spaß. Die von den Schauspielern verkörperten Kinder spielen, es gibt die guten Kinder, und es gibt eines, naja, das ist nicht so gut. Auf jeden Fall wollen die guten Kinder Frieden spielen, und das böse Kind – Krieg. Naja, was sonst. Das böse Kind nicht, es nimmt ein Styroporteil der von den „guten“ Kindern gebauten Burg wie eine Waffe in die Hand und spielt Krieg.

Ich weiß nicht genau, wie es jetzt zu der Situation kommt, dass die Kinder Partei ergreifen für das „gute“ und das „böse“ Kind, ich weiß nur, dass der Großteil von uns Kleinen zunächst hinter dem „guten Kind“ steht, welches vor dem „bösen Kind“ zurückweicht. Und da beginnen die Kleinen, die Seite zu wechseln.

Immer mehr und mehr Kinderchen wechseln von „gut“ zu „böse“, sie laufen hinüber, laufen in Scharen, und immer rascher schmilzt die Gruppe derer zusammen, die auf der Seite des Guten bleiben. Mein bester Freund in diesen Kindertagen ist der Vorletzte, der hinüberläuft. Und dann ist nur mehr der Schauspieler da – und ich.

Und ich bleibe.

Tatsächlich ist es so, dass da es da einen Achtjährigen gibt, der nicht die Seiten wechselt, dort bleibt, wo er ist, weil er es als richtig empfindet, und selbst dann, als sich alle anderen – inklusive bestem Freund! – schleichen. Nicht nachgibt.

Die Schauspieler machen weiter, und wir Kinder setzen und wieder hin, und ich kann mich noch an den eigenartig belustigten Blick meiner damaligen Lehrerin erinnern. Erst viele Jahre später erkenne ich, dass das der Blick ist, den Erwachsene haben, wenn ein kleines Kind ihnen Respekt abnötigt, den Respekt, den man selbt vor kleinen Kindern hat, wenn sie eine Qualität zeigen, die viele andere ihr Leben lang nie gewinnen werden: Rückgrat.