Der Traum

Das schleichende Chaos, Sein Ruf von hinter den Sternen…

und sie schufen Nyarlathotep als ihren Boten, gekleidet ins Nichts, auf dass Seine Gestalt immer verborgen sei inmitten der Sterne.

Wer denn will Sein Geheimnis kennen? Denn Er ist Maske und Willen derer, die waren vor dem Anbeginn der Zeit, Hohepriester des Äthers, Bewohner der Lüfte, und hat viele Gesichter, an die niemand sich erinnern soll.

Denn vor Ihm gerinnen selbst Ozeane zu Eis, vor Ihm haben selbst Götter Angst, sein Flüstern liegt in den Träumen der Sterblichen, und niemand kennt seine Gestalt.

Sie wacht in einem bequemen, großen Bett auf. Das Bettzeug lässt sich waschen. Mit 95°. Das mag er. Er ist sehr praktisch veranlagt. Das Bett ist ein Hochbett, und dominiert eine ganze Hälfte des Raumes. Darunter gibt es massiv Stauraum. Wie gesagt, er ist sehr praktisch veranlagt. Der Raum duftet nach Holz. Sie kraxelt aus dem Bett, ohne ihn zu wecken, und lässt die Rollläden herauf. Er mag es gerne dunkel. Jetzt wird es hell. Er wacht auf.

„Du, ich hab was ganz Komisches geträumt…“ Verschlafen schaut er sie an. „Wart ein bissel“, verschwindet er, und wäscht sich den Schlaf aus den Augen. Er will wache Sinne haben. Er hört ihr zu. Sie mag ihn sehr. Sagen wird sie es ihm nie. Sie hat Angst, dass er ihre emotionale Abhängigkeit von ihm ausnützen könnte. Sie versteht nicht, dass er es niemals tun wird. Es macht nichts. „Was hast du geträumt?“ Was hast du geträumt, fragt er, und nicht: Was hast du denn geträumt. Sie legen sich wieder miteinander ins Bett, und sie erzählt…

Den Traum hat sie früher öfter: Sie geht alleine über einen ihr vertrauten Weg, um sie herum Menschen. Viele Menschen. nichts Besonderes also. Doch langsam aber sicher wird die Situation unheimlich, denn obwohl sie geht und die Leute gehen, bewegt sich niemand mehr, alles steht still, obwohl es sich bewegt, und langsam, schrecklich langsam, drehen die Leute ihre Gesichter in ihre Richtung. Und ihre Augen werden größer, ihre Münder öffnen sich, werden größer, die Augen riesig, die Zähne spitz, die Gesichter zu höhnischen, schrecklichen Grimassen, und langsam, unendlich und unendlich schrecklich langsam, kommen die Gesichter auf sie zu, mit den riesigen Augen und den schrecklichen Zähnen, kommen sie auf sie zu, lachen wie ein fernes Echo, und sind doch so nah, kommen auf sie zu, näher und näher, bis ihr Gesichtsfeld von nichts Anderem mehr ausgefüllt ist als von diesen schrecklichen Gesichtern mit ihren entsetzlichen Augen und Zähnen, und sie kann nicht fliehen, sie kann sich nicht bewegen, einzig die Gesichter kommen auf sie zu. Laut schreiend wacht sie dann immer auf, und findet dann mindestens vierundzwanzig Stunden lang keinen Schlaf mehr.

„Du hast aber nicht geschrien“, wundert er sich und sieht seiner Freundin in die Augen. „Ja“, lacht sie, „weil ich vor ein paar Monaten, naja…“

Sie geht alleine über einen ihr vertrauten Weg, um sie herum Menschen. Viele Menschen. nichts Besonderes also. Doch langsam aber sicher wird die Situation unheimlich, denn obwohl sie geht und die Leute gehen, bewegt sich bald schon niemand mehr, und langsam, schrecklich langsam, drehen die Leute ihre Gesichter zu ihr, und die Augen werden größer, die Münder öffnen sich, werden größer, die Augen riesig, die Zähne spitz, die Gesichter zu höhnischen, schrecklichen Grimassen, und langsam, unendlich und unendlich schrecklich langsam, kommen die Gesichter auf sie zu. Und als sie da steht, versucht, zu fliehen, und es nicht kann, fällt von irgendwo außerhalb und direkt vor ihr etwas in den Traum hinein, ein unendlich kleiner Punkt, ein Wesen?, sie weiß es nicht, ein winzig kleiner Punkt auf jeden Fall, der versucht, sich aufzublähen, aber ohnmächtig ist, und dann, dann spürt er die Angst und die Gefahr.

Wie wenn man ein Blatt Papier auffaltet, entsteht urplötzlich vor ihr eine Gestalt, deren Form sie nicht erkennen kann, aber sie weiß, ja, weiß aus irgendeinem für sie vollkommen unerfindlichen Grund, dass es der nachtschwarze Umriss eines Menschen ist, der da vor ihr entsteht und mit den Fußen auf dem Boden landet. Und die Gesichter, die schrecklichen Fratzen mit den entsetzlichen Augen und Zähnen, die bekommen … Angst? Sie selbst nun, sie findet plötzlich ihre Füße fest auf dem Boden stehen, während „es“ einatmet und mit seiner unsichtbaren Schwärze die Gegend durchdringt, während die schrecklichen Fratzen in wilder Panik flüchten und sich in Nichts auflösen. Sie geht noch ein paar Schritte die Straße entlang, aber der Traum endet, und sie schläft ruhig weiter.

Seither hat sie immer noch manchmal diese Träume, so wie sie ihn auch heute hat: Sie geht alleine über einen ihr vertrauten Weg, um sie herum Menschen. Viele Menschen. Und so geht sie. Und geht. Ohne irgendwas. Manchmal schaut sie einem der Leute ins Gesicht, wundert sich, warum nichts geschieht, und die Blicke, die ihr begegnen, leuchten kurz auf, und werden dann sofort gesenkt. Und sie hat keine Angst, schläft ruhig weiter, und hat keine wie immer gearteten Probleme, am nächsten Abend einzuschlafen.

Später, als das Paar über eine belebte Einkaufsstraße geht, einen ihr vertrauten Weg, um sie herum viele Menschen, da fällt ihr die Sache wieder ein. „Was ist es, was kann es sein“, fragt sie, „vor dem selbst die Angst sich fürchtet?“