Papa ist dumm

Ich sitze im Vorzimmer und mach was mit dem Computer. Ich habe die Kopfhörer auf dem Kopf, spiele irgendein Spiel, oder mach sonstwas. Das bedeutet, dass ich nichts höre. Zumindest könnte es das bedeuten. Meistens stimmt es auch.

Wie auch immer, meine kleine Tochter geht auf's Klo, und beobachtet nachher kurz ihren Erzeuger, wie er mit verbissenem Gesichtsausdruck virtuelle Lemminge in den Tod stürzen lässt. Wer das Spiel „Lemmings“ kennt, weiß, dass das bedeutet, dass ich dabei bin, ein Level komplett in den Sand zu setzen, deswegen auch der verbissene Gesichtsausdruck. Kopfschüttelnd zieht das Töchterchen vondannen.

Und dann geht sie ins Wohnzimmer, und fragt ihre dort sitzende und ein Buch lesende Mutter eine Frage, die mich eigentlich erbost. Doch da ich ja „nichts höre“, beschließe ich, tatsächlich einmal „nichts zu hören“, weil ich die Antwort auf die Frage abwarten will. Besagte Frage lautet nämlich:

„Du Mama, also sag einmal, du Mama: Warum ist der Papa eigentlich so dumm?“

Die Mutter fragt da zuerst einmal, naja, wie kommst du denn darauf, dass der Papa so dumm ist. „Naja, ich mein, der Papa ist halt dumm, so… Ich mein, mein Bruder ist ja auch dumm, und so, und das hat er sicher vom Papa, und der Papa ist halt dumm, irgendwie, aber, ich mein, warum ist der Papa so dumm?“

„Weil er ein Mann ist.“ „Weil er ein Mann ist?“ „Ja. Männer sind immer dumm.“ Aha, so denkt meine Frau also. Naja, eigentlich habe ich ja nichts Anderes erwartet. „Männer sind immer dumm?“ „Natürlich, das müssen sie sein.“ „Und wieso?“ „Naja, glaubst du, sie würden so komplizierte Wesen wie uns Frauen so lieb haben, wenn sie auch nur einen einzigen Funken Verstand im Kopf hätterten?“

… Im Vorzimmer [dorthin haben wir den Computer verbannt, damit ich nicht dauernd vorm Computer sitz, wenn ich nichts zu tun hab, darum sitz ich dauernd im Vorzimmer, Anmerkung des Autors] sitzt ein Mann und wundert sich über ein derart gehäuftes Maß an weiblicher Selbsterkenntnis.

„Du, Frau, mir fällt gerade ein, ich hab was vergessen, ich geh noch schnell was einkaufen!“, rufe ich ins Wohnzimmer. „Wenn du nicht dauernd vorm Computer sitzen würdest, wär es dir eher eingefallen“, fange ich mir einen Tadel ein. Na logisch, wenn ich dauernd vorm Computer sitze, dann werde ich getadelt, wenn sie aber dauernd ihre 0815-Krimiromane liest, die stets gleich ausgehen und noch dazu so dermaßen gut, dass am Ende nicht einmal das Mordopfer gestorben ist, dann… Aber das interessiert mich jetzt nicht. Nein. Denn ich gehe jetzt einkaufen. Ich geh jetzt zum Heindl, und kaufe meiner Frau ihre Lieblingsbonbonniere. Die große. Die mit Marzipan und diversen Füllungen erlesener Liköre. Ja, die ist teuer. Ja, ich werde mir die nächsten zwei Tage was von zu Hause mitnehmen müssen anstatt dass ich mich zu Mittag einfach in ein Gasthaus setz. Doch ich werde es tun.

Warum ich das tue? Ganz einfach: Weil ich dumm bin.