Wie wir alle wissen, sind Romeo und Julia ein wunderbares Liebespaar, mit dem schweren Schicksal hadernd, zwei verfeindeten Familien anzugehören bla bla bla… Bedauerlicherweise ist das alles Unsinn.

Die Wahrheit über Romeo und Julia

Erster Akt, Katakomben der Kirche in Verona, in einem Verließ stehen sich die Familienoberhäupter der beiden verfeindeten Familien Montague und Capulet gegenüber, Pater Lorenzo und je ein Diener der Familien sind ebenfalls anwesend

Padre der Familie Montague: Ich danke dir für dein Kommen, Feind meiner Familie, noch mehr würde ich dir dafür danken, tot umzufallen, so, wie du es mir danken würdest, wenn ich das täte, aber dennoch sind wir hier, um ein viel schlimmeres Schicksal von unseren Häusern abzuwenden.

Padre der Familie Capulet: In der Tat.

(die Padres sehen sehr ungehalten Pater Lorenzo an)

Padre Capulet: Du geistlicher Blindgänger hast also unsere beiden Kinder heimlich vermählt, was bildest du dir eigentlich ein!?

Lorenzo: Wo die Liebe hinfällt…

Padre Montague: …tut sie das, weil sie über ihre eigenen Füße gestolpert ist. Du Narr hast sie vermählt, und wir müssen das jetzt ausbügeln!

Padre Capulet: Liebe, pah! Wenn diese Liebe nicht verboten wäre, wäre sie für die beiden sowieso uninteressant…

Padre Montague: Was sagst du da?

Padre Capulet: Na, wenn diese Liebe nicht verboten wäre, wär sie uninteressant.

Padre Montague: Das bringt mich auf eine Idee…

Zweiter Akt, Romeo und sein Vater im Schloss der Montagues

Padre Montague: Romeo, ich habe dich gerufen, um mit dir über deine Julia zu reden.

Romeo: Vater, niemals werde ich von meiner Liebe ablassen, und lieber alles geben, als Julia aufzugeben.

Padre Montague: Das habe ich auch einsehen müssen. Deine Mutter hat Recht, du bist genau so ein Dickschädel wie ich, und nichts kann dich von deiner Meinung abbringen.

Romeo: (verunsichert) Vater?

Padre Montague: Ich habe mit dem Padre der Capulets geredet. Wenn euch eure Liebe so wichtig ist, dass ihr bereit seid, alles dafür zu geben, würde ein Verbot sowieso nur ins Verderben führen, und das kann sich keine unserer beiden Familien leisten. Es stellt die Autorität der Padres in Frage, wenn ihr euch noch umbringt oder ähnlichen Unsinn. Wir erlauben es also, allerdings unter der Voraussetzung, dass ihr eure Familiennamen ablegt und nach Rom geht.

Romeo: … Was?

Padre Montague: Wenn euch eure Liebe wirklich so viel wert ist, dann ist das die beste Lösung. Ihr habt, was ihr wollt, und wir müssen uns nicht mit diesem Problem hier in Verona herumärgern. Ich habe mit dem Capulets bereits Abmachungen getroffen, Julias Mutter redet gerade darüber mit ihrer Tochter, in drei Tagen reist ihr ab, für euer Auskommen in Rom ist gesorgt.

Romeo: Vater, das ist … großartig!

Padre Montague: (lächelt tiefgründig in sich hinein) Oh ja.

Dritter und letzter Akt, zwei Monate später, wieder in Verona, im Schloss der Capulets, Julia begegnet ihrer Mutter)

Mutter Capulet: Julia?! Was machst du denn hier???

Julia: Mama, du hast Recht gehabt.

Mutter Capulet: Was meinst du?

Julia: Du hast Recht gehabt?

Mutter Capulet: Womit?

Julia: Mit Romeo. Dass er ein Nichtsnutz ist.

Mutter Capulet: Ach wirklich…

Julia: Ja. Geht in Rom nur die ganze Zeit saufen, und liegt dauernd auf mir drauf, sexsüchtiger Knilch, der!

Mutter Capulet: Bist du schwanger?

Julia: Weiß ich nicht, und wenn, bring ich das Kind lieber um, alsdass ich zulasse, dass noch so ein Montague-Gezücht die Welt verpestet. Der mit seinen „romantischen“ Einfällen und seinem poetischen Redeschwall! Viel Blabla und nix dahinter. (weint) Ich hättert nie gedacht, dass der so ein Taugenichts ist.

Mutter Capulet: Aber mein Kind (nimmt ihre weinende Tochter tröstend an die mütterliche Brust), ich weiß, ich habe damit gerechnet, dass es so endet, aber ich hätte es dir nicht erklären können! Solche Dinge muss man selber erfahren. Wo ist Romeo? Ist er wieder in Verona? Wir müssen verhindern, dass du seinen Anblick jemals wieder ertragen musst.

Julia: (löst sich wieder von der Mutter) Muss ich eh nicht. Der ist in Rom geblieben, nachdem ich ihn verlassen hab, hat gemeint, ich wär eh nix wert, und was er nicht alles aufgegeben hat wegen mir, und die Priscilla ist nicht so eine Zicke wie ich, und dass sein Vater Recht gehabt hat mit seiner Meinung über die Capulet-Schlampen…

Mutter Capulet: Tod allen Montagues!

Julia: Tod allen Montagues!

Und so endet die Romanze zwischen Romeo Montague und Julia Capulet. William Shakespeare hat die Idee der Romanze zwischen zwei Kindern verfeindeter Familien später begeistert aufgenommen, aber ich glaube, es ist klar, warum er den Ablauf der tatsächlichen Begebenheiten als literarisch wenig wertvoll erachtet und daher für sein Theaterstück einen gänzlich anderen Ausgang ersonnen hat.