Meine erste böse Tat

Dies ist die Geschichte meiner ersten bezeugbaren bösen Tat. Damit ist nicht meine Geburt gemeint (obgleich diese etwas ist, das in ihren Konsequenzen dann vielen Menschen gehörigen Nervenverschleiß bereiten wird und somit durchaus als bösartiger Akt meinerseits gewertet werden kann), nein, diese Tat spielt sich doch tatsächlich früher ab.

Ich mache keine Scherze: Meine erste böse Tat vollbringe ich doch tatsächlich und allen Ernstes vor meiner Geburt! (Macht mir das einmal nach, ihr Möchtegern-Satanisten, ha!)

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was jemand, dessen Organe zwar bereits vollständig, aber noch nicht einmal fertig ausgebildet sind, denn so an bösartigen Bosartigkeiten verbrechen könnte, außerdem mag sich die geneigte Leserin, der geneigte Leser fragen, wann der Heini denn endlich zum Punkt kommt und nicht eher seine Leserschaft mit langatmigen Einleitungen quälen will, um der Liste seiner bösen Taten somit eine weitere anzufügen, doch wer ein wenig über die Möglichkeiten nachdenkt, die ich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens habe verbrechen können, kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass ich es irgendwie geschafft habe, aus der Beschränktheit meiner Möglichkeiten im mütterlichen Uterus heraus Dritten einen nennenswerten Schaden zuzufügen.

Und das geht so:

In den späten Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts, da sind viele Untersuchungsmethoden technologisch noch nicht so fortentwickelt wie heute, aber dennoch gründlich und umfassend, was Schwangere betrifft. Eine dieser Methoden besteht nun im guten, alten Abhorchen, wozu der betreffende Onkel Doktor ein massiven Holzstethoskop verwendet.

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern!, aber ich nehme an, dass es etwas Unangenehmes ist, wenn man da in seinem Zimmer herumschwimmt, und auf einmal eine der Wände näher kommt. Das schreit nach Gegenwehr, und diese besteht konkret darin, dass der kleine Rebell da drinnen austritt. Gezielt. Kräftig. Sehr kräftig.

Dem guten Onkel Doktor drückt der Tritt auf jeden Fall das Holzding ins Ohr, welches er mit einem Schmerzenslaut abnehmen muss.

Nicht, dass ich mich nicht damit brüsten würde, meine erste böse Tat vor meiner Geburt vollbracht zu haben, aber so ganz ohne Sympathie für die Opfer meiner Eigenheiten bin ich dann wieder doch nicht:

Sehr geehrter Herr Doktor! Sollten sie diese Zeilen lesen, und sich noch an beschriebenes Ereignis erinnern können, möchte ich sie also hiermit höflich um Entschuldigung bitten.